Vom Endurance Rennen auf dem Fixie zum Globalen Klassiker

Die Tour de France

Photo © Howard Lawrence/Unsplah

Photo © Howard Lawrence/Unsplah

Die Große Tour de France, sie ist da. Die Crème de la Crème des Radsports stürzt sich in das über 23 Tage andauernde Straßenrennen. Dieses Jahr – zum Andenken an die aus Belgien stammende Legende Eddy Merckx – ist der Grand Départ in Brüssel. Denn Merckx hat vor genau 50 Jahren zum ersten Mal eines seiner fünf gelben Trikots gewonnen. Und das muss natürlich gebührend gefeiert werden.

Wie ihr euch denken könnt sind die Medien schon reichlich gefüllt, mit allerlei News und Insidern rund um das UCI Event. Wir sehen, die Tour de France ist und bleibt einfach der absolute Klassiker unter den Langstreckenradrennen. Egal ob Fahrradenthusiast oder Hobbyfahrer, die rund 3.5 Billionen Zuschauer/innen lieben das alljährliche Sommer-Spektakel.

Nun, die Tour de France ist ein ganz schön traditionsreiches Etablissement, über das sich viel schreiben und lesen lässt. Deshalb haben wir uns in die Recherche geschmissen, um etwas tiefer in die Anfänge des französischen Rennens zu gehen. Und was ist das Resultat? Dieser Blogpost wird euch ein paar knackige und spannende Kuriositäten zur Tour geben.   

Kennt ihr zum Beispiel Merckx‘ vollen Namen? Oder habt ihr euch schon mal gefragt was die Franzosen vor über 100 Jahren bewegt hat so ein Rennen ins Leben zu rufen? Dazu und noch mehr – einfach weiterlesen.


Zu den Basics 

Etape 21, Geraint Thomas (Team SKY) / © ASO Alex Broadway

Etape 21, Geraint Thomas (Team SKY) / © ASO Alex Broadway

Die Tour de France startet dieses Jahr am 06.07. in Brüssel und wird am 28.07. in Paris, Champs-Élysée, enden. Die Radfahrer bannen sich ihren Weg durch die Länder Frankreich und Belgien und werden während der 21 Etappen ganze 3.460km zurücklegen. Die 30 Berganstiege und fünf Gipfelziele werden dem ganzen noch einen Extrabiss geben. Sonst wäre es ja zu einfach.

Mehr Infos findest du auf der offiziellen Seite der Tour de France. Übrigens sehr zu empfehlen sind die Videos „für Doofe“. Klingt erstmal etwas harsch, aber wir bei Bikmo finden, dass man sich so schnell ein bisschen mehr Rennradwissen aneignen kann und es so umso mehr Spaß macht die Stunden vor dem Fernseher zu genießen.

Warum gerade in 1903?

Was für eine gute Frage. Lasst uns das mal genauer anschauen.

Frankreich vor hundert Jahren

Die Moderne wuchs aus ihren Kinderschuhe heraus – Industrialisierung, Aufklärung und das wachsende Bürgertum. Das Leben vieler Franzosen und Französinnen veränderte sich und besonders das Thema Leisure und Freizeit nahm mehr Raum im Lebensalltag ein. Ein Beispiel dafür waren die marginal sinkenden Arbeitsstunden der Arbeiter/innen. Das Interesse an Aktivitäten neben der Arbeit stieg also an. Und was berührte die Menschen mehr als der Sport an sich? Der Radsport natürlich.

Warum also nicht ein Rennen starten, dass alle begeistert, motiviert und mitzieht. Manch einer sagt sogar, dass eine Art neuer Heroismus hermusste, da die Politik und das Militär das nicht so wirklich boten. Es wurde also eine Angst verspürt, dass es mit dem Land den Bach herunterging. Die Géants de la Route waren da eine willkommene Abwechslung.

Die Fabriken, die noch um 1870 Waffen herstellten, spezialisierten sich auf die Produktion von Fahrrädern. Die Manufaktur Hirondelle zum Beispiel bot ab 1893 eine neue Sparte an alltagstauglichen Modellen an:

Démocratique – Für Künstler, Arbeiter, Handwerker und Angestellte (185 Franken)

Sérvice Administratif – Für Postboten, Lieferjungen, Gerichtsvollzieher und Landvermesser (280 Franken)

Routier – Für Reisende, Kaufleute und Doktoren (300 und 380 Franken)

Ein 385-Franken Modell wurde extra für Soldaten, Touristen und Jäger auf den Markt gebracht

Extra-Supérieur – für Fahrradtouristen und die betuchtere Gesellschaft

 

Die Begeisterung für das Radfahren stieg mit den sinkenden Preisen an. Denn da es mehr Möglichkeiten gab, fühlten sich auch mehr Leute involviert. Ein Transportmittel, dass nicht nur praktisch war, sondern auch zum Hobby wurde.

Die Zuschauer genossen besonders die Rennen bei denen es um das Erreichen hoher Geschwindigkeiten und das Erzwingen sehr, sehr lange Strecken ging. Je schwieriger, desto aufregender. Eigentlich wie heute, oder?

Es ist also nicht verwunderlich, dass Henri Desgrange die Chance sah ein Etappenrennen wir die Tour de France ins Leben zu rufen. Die Tour de France war geboren und wurde, abgesehen von Unterbrechungen während der beiden Weltkriege, alljährlich fortgeführt.

Etape 17 / © ASO Pauline Ballet

Etape 17 / © ASO Pauline Ballet

Wusstest du. . . ?

Eddy Merckx‘ voller Name ist Édouard Louis Joseph Baron Merckx. 

Bis in die 1960er Jahre war es Gang und Gebe war während der einzelnen Etappen Alkohol zu trinken.

Die Anzahl der Ruhetage ist von 14 auf zwei gesunken.

Bis 1937 waren keine Umwerfer erlaubt.

Die geringste Teilnehmerzahl gab es mit nur zehn Athleten am Ende des Ersten Weltkriegs in 1919.

Zu Beginn der Tour de France mussten die Rennradfahrer noch durch die Nacht fahren. Die 6 Etappen in 1903 betrugen bspw. durchschnittlich 404,7km.

Unsere Leseempfehlung zum Thema: Wie fühlt es sich an die Tour de France auf einem Fixie zu bewältigen? Klicke hier um den Artikel des Magazin Cyclist zu lesen.

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Literatur- und Quellenverzeichnis

https://www.active.com/cycling/articles/23-fun-facts-you-didn-t-know-about-the-tour-de-france/slide-17 (zuletzt aufgerufen am 2019-06-20)
https://www.cyclist.co.uk/news/1755/tour-de-france-route-live-tv-guide-startlist-stage-by-stage (zuletzt aufgerufen am 2019-06-20) https://www.active.com/cycling/articles/23-fun-facts-you-didn-t-know-about-the-tour-de-france/slide-15  (zuletzt aufgerufen am 2019-06-20)
Christopher S. Thompson, The Tour de France, A Cultural Study (Berkeley, Los Angeles, London: University of California Press 2006)